Wie teuer muss ein guter Kickertisch sein? Selbst die Heimvarianten der gängigen Profi-Kicker kosten zwischen 600 und 1000 Euro – zu viel für die durchschnittliche WG-Kasse. Online-Shops und Discounter locken mit Kickern zu Spottpreisen, die Anzeigen versprechen “Profi-Tische” und “hochwertige Verarbeitung”. Was können die Billig-Tische wirklich? Wir haben drei Modelle getestet.
Schraubenziehereinsatz am Billig-Tisch von Ebay
Die legendäre US-Sitcom “Friends” hat den Kicker zum absoluten Wohngemeinschafts-Klischee gemacht: Wo mehr als zwei Leute zusammenleben, muss einfach ein Tisch stehen. Warum auch in der Kneipe kickern, wenn das Vergnügen im Wohnzimmer wartet?
In der Küche von Joey und Co. steht ein turniertauglicher Tornado, Anschaffungskosten für das US-Modell: Rund 1700 Euro. Für das durchschnittliche WG-Budget ein bisschen zu viel. Aber geht es auch billiger? Wir haben drei Tische getestet: Ein Sparmodell von Ebay, den Discount-Kicker aus dem Aldi und einen No-Name-Tisch aus dem Internet.
Die Ebay-Errungenschaft
“Hochwertig und trotzdem günstig” – “ein echter Turniertisch” – “Kickern für Profis” – so werben Ebay-Verkäufer für ihre Tischfußball-Angebote. Bei dem Online-Auktionshaus gibt es Kickertische schon für wenige Euro – aber kann man auf so einem Tisch vernünftig spielen?
Im Praxis-Test zeigen sich bei einem vergleichbaren Modell die ersten Probleme schon vor Spielbeginn: Das Einwurfloch ist viel zu klein für den mitgelieferten Ball. Dieser wiederum ist steinhart – in Kombination mit den unförmigen Füßen der Figuren wird kontrolliertes Spiel fast unmöglich.
Die Spielfläche ist deutlich kleiner als bei einem üblichen Kickertisch. Da das Feld an den Banden nicht angeschrägt ist, bleibt der Ball dort und in den Ecken ständig liegen. Nach fünf Minuten lockeren Spiels sind die dünnen Metallstangen verbogen, nach 30 Minuten gibt das erste Schraubgewinde einer Figur nach.
Der Tisch eignet sich bestenfalls als Party-Gag – aber definitiv nicht als Trainingsgerät. Das gilt auch für viele andere Ebay-Kicker: Grundsätzlich ist bei No-Name-Tischen Vorsicht geboten.
Gerne verweisen Anbieter auf vermeintliche Qualitätsmerkmale wie massive Stangen oder Kugellager. Beides ist jedoch bei Turniertischen längst passé: Auch in Europa wird inzwischen mit Hohlstangen gespielt, Gleitlager haben das wartungsaufwändige Kugellager abgelöst. Extras wie elektrische Torzähler, Getränkehalter oder die “Jubel-Sirene” zeigen deutlich: Das sind keine Sportgeräte.
Der Aldi-Allstar
Ein guter Kicker wiegt mehr als 100 Kilo, sonst verrutscht der Tisch bei intensivem Spiel. Der Aldi-Kicker wiegt gerade mal die Hälfte – für Tischfußball-Puristen schon ein Ausschlusskriterium. Dafür kostet das Gerät auch nur rund 150 Euro.
Auf den ersten Blick macht der Tisch einen robusten Eindruck: Spanplatte, ordentlich verschraubt. Das Spielfeld hat in etwa Turniermaße (118x68cm). Die Hohlstangen laufen in Gleitlagern, auch die Tore sind ausreichend groß. Allerdings ist auch das erste große Manko offensichtlich: Der Tisch hat keine durchgezogene Spielfläche, stattdessen begrenzen angeschrägte Kunststoffbanden Ecken und Kanten. Bandenschüsse sind deshalb schwer zu kontrollieren, der Ball springt leicht.
Im Detail zeigt der Tisch weitere Schwächen: Die Griffe sind aus hartem Plastik und bieten nur wenig Halt. Sie sind außerdem nur aufgesteckt und nicht verschraubt. Die Hohlstangen hielten sich im Test überraschend gut, sind jedoch nicht optimal in die Lager eingepasst. So hat jede Stange einige Millimeter Spiel – das geht zu Lasten der Präzision.
Die mitgelieferten Bälle sind hart und unförmig. Klemmen wird so fast unmöglich. Mit einem ordentlichen Ball – Kostenpunkt: etwa zwei Euro – wird das Spielgefühl jedoch deutlich besser. Dann lassen sich mit etwas Übung auf dem Tisch sogar einige nette Kombinationen spielen.
Der No-Name-Kandidat
Danke für das Foto an Endless Wrench
Woher dieser Tisch genau kommt, ließ sich nicht mehr klären – klar war nur: “Aus dem Internet”. Das zeigt ein zentrales Problem günstiger No-Name-Tische: Es gibt kaum Vergleichswerte. Die Tische unterscheiden sich oft stark in der Fertigung und im Material, doch das ist ohne Testspiel kaum ersichtlich.
Auf den ersten Blick erfüllt unser Kandidat die wichtigsten Anforderungen: Abmessungen in Turniergröße, gut gelagerte Stangen, durchgängiges Spielfeld mit hochgezogenen Ecken. Der Tisch war nach dem Kauf sehr leicht, wurde dann mit einigen Holzbrettern verstärkt und spielt sich nun recht robust.
Die Füße der Figuren haben eine recht eigenartige Form. Dass sie an den Seiten leicht abgerundet sind, erschwert Schiebetricks. Außerdem hängen die Figuren sehr nah über der Spielfläche, was dazu führt dass der Ball oft aus dem Tisch katapultiert wird.
Ebenfalls schwach: Die Plastikgriffe sind dick und sehr kurz – das Handling deshalb eher unbequem.
Muss ein Kicker teuer sein? Unter Umständen: Nein.
Drei Tische – drei Resultate. Absolute Billig-Kicker verschleißen mitunter schon nach wenigen Spielstunden. Wer sich für ein teureres No-Name-Modell entscheidet, muss mit verschiedenen Macken und Eigenheiten zurechtkommen. Vor allem die gravierenden Unterschiede der Figuren in Gewicht, Form und Material verändern das Spielgefühl fühlbar. Meist kommen die Billig-Kicker mit sehr leichten Stangen und Spielern. Sie lassen sich deshalb mit weniger Kraft bespielen, fordern aber höhere Bewegungsgeschwindigkeiten, um Druck hinter den Ball zu bekommen – insgesamt ein völlig anderes Spielgefühl, als auf einem Turniertisch.
Für Hobby-Spieler ist das erst mal nicht so wichtig – wenn es ihnen wirklich nur um ein kleines WG-Match nach Feierabend geht. Es dauert auf einem Billig-Tisch aber mitunter deutlich länger, Tricks zu lernen, einige Spielzüge sind mitunter gar nicht möglich. Da kann das Spiel schnell frustrierend werden. Wer etwas ambitionierter spielt, sollte deshalb gegebenenfalls etwas mehr investieren, beispielsweise in einen Ullrich-Kicker “Home”. Figuren und Stangen sind zwar auch beim Ullrich eher leicht, was ein wenig auf Kosten der Präzision geht. Dafür ist der Tisch gut verarbeitet und erlaubt schnelle Reaktionen und kreative Spielzüge.
Für Turnierspieler und Profis sind die Billig-Tische keine Alternative: Wer die Technik beherrscht und nur noch an der Präzision feilt, kann mit den eigenwilligen No-Name-Produkten wenig anfangen. Dazu unterscheidet sich das Spielverhalten zu sehr von einem Turniertisch. Es bringt wenig, den schönsten Bandenschuss auf dem heimischen Material zu trainieren, wenn er während des Turniers konsequent am Pfosten landet. Da bleibt nur das teure Home-Modell der Turniertisch-Hersteller – oder der Gang in die nächste Kickerkneipe.











