Das Billig-Duell

Wie teuer muss ein guter Kickertisch sein? Selbst die Heimvarianten der gängigen Profi-Kicker kosten zwischen 600 und 1000 Euro – zu viel für die durchschnittliche WG-Kasse. Online-Shops und Discounter locken mit Kickern zu Spottpreisen, die Anzeigen versprechen “Profi-Tische” und “hochwertige Verarbeitung”. Was können die Billig-Tische wirklich? Wir haben drei Modelle getestet.

Schraubenziehereinsatz am Billig-Tisch von Ebay

Die legendäre US-Sitcom “Friends” hat den Kicker zum absoluten Wohngemeinschafts-Klischee gemacht: Wo mehr als zwei Leute zusammenleben, muss einfach ein Tisch stehen. Warum auch in der Kneipe kickern, wenn das Vergnügen im Wohnzimmer wartet?
In der Küche von Joey und Co. steht ein turniertauglicher Tornado, Anschaffungskosten für das US-Modell: Rund 1700 Euro. Für das durchschnittliche WG-Budget ein bisschen zu viel. Aber geht es auch billiger? Wir haben drei Tische getestet: Ein Sparmodell von Ebay, den Discount-Kicker aus dem Aldi und einen No-Name-Tisch aus dem Internet.

Die Ebay-Errungenschaft

“Hochwertig und trotzdem günstig” – “ein echter Turniertisch” – “Kickern für Profis” – so werben Ebay-Verkäufer für ihre Tischfußball-Angebote. Bei dem Online-Auktionshaus gibt es Kickertische schon für wenige Euro – aber kann man auf so einem Tisch vernünftig spielen?

Im Praxis-Test zeigen sich bei einem vergleichbaren Modell die ersten Probleme schon vor Spielbeginn: Das Einwurfloch ist viel zu klein für den mitgelieferten Ball. Dieser wiederum ist steinhart – in Kombination mit den unförmigen Füßen der Figuren wird kontrolliertes Spiel fast unmöglich.
Die Spielfläche ist deutlich kleiner als bei einem üblichen Kickertisch. Da das Feld an den Banden nicht angeschrägt ist, bleibt der Ball dort und in den Ecken ständig liegen. Nach fünf Minuten lockeren Spiels sind die dünnen Metallstangen verbogen, nach 30 Minuten gibt das erste Schraubgewinde einer Figur nach.
Der Tisch eignet sich bestenfalls als Party-Gag – aber definitiv nicht als Trainingsgerät. Das gilt auch für viele andere Ebay-Kicker: Grundsätzlich ist bei No-Name-Tischen Vorsicht geboten.
Gerne verweisen Anbieter auf vermeintliche Qualitätsmerkmale wie massive Stangen oder Kugellager. Beides ist jedoch bei Turniertischen längst passé: Auch in Europa wird inzwischen mit Hohlstangen gespielt, Gleitlager haben das wartungsaufwändige Kugellager abgelöst. Extras wie elektrische Torzähler, Getränkehalter oder die “Jubel-Sirene” zeigen deutlich: Das sind keine Sportgeräte.

Der Aldi-Allstar

Ein guter Kicker wiegt mehr als 100 Kilo, sonst verrutscht der Tisch bei intensivem Spiel. Der Aldi-Kicker wiegt gerade mal die Hälfte – für Tischfußball-Puristen schon ein Ausschlusskriterium. Dafür kostet das Gerät auch nur rund 150 Euro.

Auf den ersten Blick macht der Tisch einen robusten Eindruck: Spanplatte, ordentlich verschraubt. Das Spielfeld hat in etwa Turniermaße (118x68cm). Die Hohlstangen laufen in Gleitlagern, auch die Tore sind ausreichend groß. Allerdings ist auch das erste große Manko offensichtlich: Der Tisch hat keine durchgezogene Spielfläche, stattdessen begrenzen angeschrägte Kunststoffbanden Ecken und Kanten. Bandenschüsse sind deshalb schwer zu kontrollieren, der Ball springt leicht.

Im Detail zeigt der Tisch weitere Schwächen: Die Griffe sind aus hartem Plastik und bieten nur wenig Halt. Sie sind außerdem nur aufgesteckt und nicht verschraubt. Die Hohlstangen hielten sich im Test überraschend gut, sind jedoch nicht optimal in die Lager eingepasst. So hat jede Stange einige Millimeter Spiel – das geht zu Lasten der Präzision.

Die mitgelieferten Bälle sind hart und unförmig. Klemmen wird so fast unmöglich. Mit einem ordentlichen Ball – Kostenpunkt: etwa zwei Euro – wird das Spielgefühl jedoch deutlich besser. Dann lassen sich mit etwas Übung auf dem Tisch sogar einige nette Kombinationen spielen.

Der No-Name-Kandidat

Danke für das Foto an Endless Wrench

Woher dieser Tisch genau kommt, ließ sich nicht mehr klären – klar war nur: “Aus dem Internet”. Das zeigt ein zentrales Problem günstiger No-Name-Tische: Es gibt kaum Vergleichswerte. Die Tische unterscheiden sich oft stark in der Fertigung und im Material, doch das ist ohne Testspiel kaum ersichtlich.
Auf den ersten Blick erfüllt unser Kandidat die wichtigsten Anforderungen: Abmessungen in Turniergröße, gut gelagerte Stangen, durchgängiges Spielfeld mit hochgezogenen Ecken. Der Tisch war nach dem Kauf sehr leicht, wurde dann mit einigen Holzbrettern verstärkt und spielt sich nun recht robust.
Die Füße der Figuren haben eine recht eigenartige Form. Dass sie an den Seiten leicht abgerundet sind, erschwert Schiebetricks. Außerdem hängen die Figuren sehr nah über der Spielfläche, was dazu führt dass der Ball oft aus dem Tisch katapultiert wird.
Ebenfalls schwach: Die Plastikgriffe sind dick und sehr kurz – das Handling deshalb eher unbequem.

Muss ein Kicker teuer sein? Unter Umständen: Nein.

Drei Tische – drei Resultate. Absolute Billig-Kicker verschleißen mitunter schon nach wenigen Spielstunden. Wer sich für ein teureres No-Name-Modell entscheidet, muss mit verschiedenen Macken und Eigenheiten zurechtkommen. Vor allem die gravierenden Unterschiede der Figuren in Gewicht, Form und Material verändern das Spielgefühl fühlbar. Meist kommen die Billig-Kicker mit sehr leichten Stangen und Spielern. Sie lassen sich deshalb mit weniger Kraft bespielen, fordern aber höhere Bewegungsgeschwindigkeiten, um Druck hinter den Ball zu bekommen – insgesamt ein völlig anderes Spielgefühl, als auf einem Turniertisch.

Für Hobby-Spieler ist das erst mal nicht so wichtig – wenn es ihnen wirklich nur um ein kleines WG-Match nach Feierabend geht. Es dauert auf einem Billig-Tisch aber mitunter deutlich länger, Tricks zu lernen, einige Spielzüge sind mitunter gar nicht möglich. Da kann das Spiel schnell frustrierend werden. Wer etwas ambitionierter spielt, sollte deshalb gegebenenfalls etwas mehr investieren, beispielsweise in einen Ullrich-Kicker “Home”. Figuren und Stangen sind zwar auch beim Ullrich eher leicht, was ein wenig auf Kosten der Präzision geht. Dafür ist der Tisch gut verarbeitet und erlaubt schnelle Reaktionen und kreative Spielzüge.

Für Turnierspieler und Profis sind die Billig-Tische keine Alternative: Wer die Technik beherrscht und nur noch an der Präzision feilt, kann mit den eigenwilligen No-Name-Produkten wenig anfangen. Dazu unterscheidet sich das Spielverhalten zu sehr von einem Turniertisch. Es bringt wenig, den schönsten Bandenschuss auf dem heimischen Material zu trainieren, wenn er während des Turniers konsequent am Pfosten landet. Da bleibt nur das teure Home-Modell der Turniertisch-Hersteller – oder der Gang in die nächste Kickerkneipe.

Kickern wie die Könige

In vielen Kneipen wird der Kicker ins Hinterzimmer verbannt – im Goldfischglas thront er auf einer Empore. Das ist nur angemessen: Der Tisch ist erstklassig. Eine royale Kicker-Erfahrung.

Burgunderrote Farbe, goldglänzender Wandbehang und üppig gerahmte Ölgemälde – eine ungewohnt herrschaftliche Kulisse für einen Kicker. Der Tisch thront im Goldfischglas gar auf einer eigenen Empore, die einen angenehmen Freiraum schafft und vor Ellbogen im Rücken schützt.

Die royale Illusion hält allerdings nur, bis sich der Betrachter umdreht. Dann blickt er auf kopfnickende Barbesucher und – durch eines der namensgebenden Panoramafenster – auf die feierfreudigen Gäste des Schanzenviertels, die auf dem Weg zum Schulterblatt einen Zwischenstopp einlegen.

Wo vor langer Zeit mal ein Gemüsehändler Möhren und Kartoffeln verkaufte, treffen sich heute Partyhungrige zum Vorglühen für den Kiez. Das Goldfischglas lockt mit annehmbaren Getränkepreisen, drinnen ist es warm und eng, man rückt zwangsläufig zusammen.

Wer einen Moment durchatmen möchte, sollte sich an der Bar entlang zum Kickertisch vorkämpfen. Dort ist es meistens eher ruhig. Das kleine Podest, auf dem der Tisch steht, verspricht etwas Platz und Übersicht.

Der Kicker selbst ist über jeden Zweifel erhaben: Ein robuster, nur leicht angejahrter leo_pro professional. Das Material ist gut gepflegt, die Stangen laufen rund, auch Bälle und Figuren sind vollkommen in Ordnung. Der Tisch könnte allerdings mal wieder eine Ölung vertragen. Grundsätzlich bedarf es etwas Übung, um auf dem massiven Tisch druckvoll zu spielen. Wer etwas Ballbeherrschung mitbringt, wird mit dem präzise handhabbaren Kicker aber seine Freude haben.

Das Goldfischglas ist insgesamt ein solider Zwischenhalt an einem Kicker-Abend, auch wenn überwiegend Gelegenheitsspieler am Tisch stehen. Echte Kicker-Könige ziehen vielleicht doch lieber zwei Häuser weiter – auch wenn sie dann auf das royale Ambiente verzichten müssen.

Goldfischglas
Bartelsstraße 30
 
leo_pro professional
Kickern 50 cent
Happy-Hour-Cocktails 4,50 Euro
geöffnet täglich ab 12 Uhr

Eine Arena für den Tischfußball

Es ist ein herausragender Ort für den Kickersport in Hamburg: Im Kixx am Nobistor liefern sich Profi-Teams Duelle auf 16 erstklassigen Tischen. Aber es bleibt auch Platz für Hobbyspieler – schließlich haben auch die Großen mal klein angefangen: Im Vereinsheim eines Fußball-Bezirksligaclubs.

Der Chef am Tisch: Rikko Tuitjer am Bonzini im Kixx

Die Wiege des Tischfußballs in Hamburg ist ein flacher, grauer Bungalow am Rande eines Ascheplatzes in Eimsbüttel. Ein hoher Gitterzaun umgrenzt das Schlackefeld an der Fruchtallee, auf dem seit gut 100 Jahren Fußball gespielt wird. Dahinter duckt sich das Vereinsheim des Bezirksligisten HEBC.

„Das war der Anfang“, sagt Rikko Tuitjer: Holzvertäfelung, Vitrinen, Pokale – und gerade genug Platz für drei Kickertische. „ Wir haben da zwei Mal in der Woche trainiert. Den Wirt interessierte das nicht besonders: Sonst war ja nichts los“, sagt Tuitjer. Nach dem Training schoben die Spieler die Kickertische zurück an die Wand und tranken ein Bier an der Vereinstheke. Das war Tischfußball, zu Beginn der 2000er.

Heute gibt es in der Stadt 58 Liga-Teams, die besten Spieler reisen für Turniere ins Ausland. Der Deutsche Tischfußballbund hat mittlerweile mehr als 6000 Mitglieder, rund 1000 davon traten in den vergangenen zwei Jahren bei. Die Hochburg des Kicker-Sports ist nach wie vor das Saarland, dort sitzt mit Abstand der älteste Verband, der mehr als 2000 Mitglieder zählt. Aber die anderen Bundesländer holen auf. Allen voran: Hamburg. Fast 650 Spieler sind in der Stadt gemeldet, mehr als in Berlin, mehr als in den großen Flächenländern.

Kickern wird zum Leistungssport

Das Vereinsheim in Eimsbüttel ist längst Geschichte. Kickern ist weitergezogen: Der Puls schlägt heute auf dem Kiez. Von der Tribüne aus betrachtet wirkt das Kixx am Nobistor nicht wie eine Bar – es ist eine Arena. Zwei silberne Lüftungsschläuche ziehen sich an der Decke des hohen Raumes entlang, darunter, im Licht etlicher Neonröhren, stehen zwölf Kickertische. Eine kleine Tribüne begrenzt den Raum am Kopfende, drei Schritte breit, die Stufen sind mit Teppich bezogen. Es ist noch früh am Abend, kurz nach sechs. Hinten im Raum kickern sich zwei Spieler warm, jeder alleine an einem Tisch. Einer trägt einen Handschuh, der andere hat rotes Griptape um die Griffe seines Kickers geschlungen – für das perfekte Ballgefühl.

Das Kixx ist das einzige Kicker-Leistungszentrum Hamburgs. Eine Mischung aus Kneipe und Sportstätte, vorne eine Bar mit braunen Ledersofas, hinten eine Kickerhalle. Im Keller können sich Mannschaften in einem Trainingsraum auf Turniere vorbereiten. Rikko Tuitjer hat das Kixx im September eröffnet, zusammen mit seinem Tischfußball-Mannschaftskollegen Knuth Strecker. Beide spielen in der Bundesliga-Mannschaft „Die Maschinerie“, Tuitjer ist außerdem Präsident des Hamburger Tischfußballverbands, Strecker sein Vize. Gemeinsam haben sie 2006 die Hamburger Regionalliga mitgegründet, und 2007 den Hamburger Tischfußballverband.

„Kickern wird in Hamburg gerade groß. In den letzten Jahren hat sich die Zahl der Teams in Hamburg verdoppelt. Bald gründen wir eine fünfte Liga – dann spielen mehr als 60 Teams in Hamburg organisiert Tischfußball“, sagt Tuitjer. Er steht heute allein hinter der Theke, Knuth Strecker ist gerade in Frankreich: Tischfußball-WM. Neben der Bar hängen zwei große Bildschirme, mit Live-Übertragungen aus Nantes. Eine Streaming-Plattform zeigt alle Spiele, die Finalrunde läuft sogar im Fernsehen.

Auf dem Bildschirm spielt gerade der Amerikaner Tony Spredeman, Nummer Zwei in der Weltrangliste, gegen einen chancenlosen portugiesischen Newcomer. Rikko Tuitjer reicht einem Gast ein Bier. „Manche sagen ja: Kickern ist ein Trend – so was wie ein Tamagotchi. Das glaube ich nicht“, sagt er.

“Die Leute sollen hier ruhig Bier trinken und Musik hören”

Die Idee, ein eigenes Kicker-Zentrum zu gründen, trugen Tuitjer und Strecker schon einige Jahre lang mit sich herum. Aus dem Vereinsheim in Eimsbüttel war die Kicker-Gemeinde schnell herausgewachsen. Eine Zeitlang gastierten sie im Keller einer Bar an der Talstraße. „Das war aber keine Dauerlösung. Die Kneipiers brauchten den Raum immer wieder für Veranstaltungen, und wir hatten einfach noch immer nicht genug Platz“, sagt Tuitjer. „Ab einem gewissen Niveau wollen die Leute auch vernünftige Bedingungen.“ Das bedeutet: Kein Gedränge in der Kneipe, keine schlechte Luft, und die Möglichkeit, einen Spielzug auch mal alleine zu trainieren. „Auf der anderen Seite wollten wir keine Turnhalle, in der Leute mit Schweißbändern herumlaufen“, sagt Tuitjer.

Die beiden ließen sich zwei Jahre lang Zeit – dann fanden sie das leerstehende Lokal am Nobistor. „Der Laden hier war eine absolute Bruchbude“, sagt Tuitjer und schüttelt den Kopf. „Die Theke, die Einrichtung, das ist alles neu“. Keiner der Kixx-Inhaber ist Gastronom, Tuitjer ist eigentlich Übersetzer, Strecker arbeitet als Vertriebsmanager. Aber sie kennen die Wünsche ihrer Gäste: „Die Leute sollen hier ruhig ein Bier trinken und Musik hören“, sagt Tuitjer. „Das soll hier keine elitäre Veranstaltung werden: Wir haben genug Platz für Profis und Amateure.“

Die Spieler garantieren der Bar ihr auskommen: 2,50 kostet die Tageskarte fürs Kickern, wer Mitglied im Verein wird, zahlt 15 Euro für den ganzen Monat. Bislang sind laut Tuitjer etwa 150 Spieler fest dabei. Dazu kommen die Einnahmen durch den Barbetrieb, seit einiger Zeit verkauft das Kixx außerdem Kickertische und Zubehör. “Das entwickelt sich – schauen wir mal, wo das hinführt”, sagt Tuitjer. Seinen bisherigen Job hat er dennoch behalten: Seine Existenz will er nicht nur ans Kickern hängen. Noch nicht.

Kixx Hamburg
Nobistor 38
Kickern 2,50 für den ganzen Abend
geöffnet Di, Do, Fr, Sa ab 18 Uhr
Di und Do ab 19 Uhr offenes Training
Mittwochs Turniere

Kickern wie im Wohnzimmer

Eine gemütliche Couch, entspannte Musik, dazu ein Astra aus dem Kühlschrank – das klingt nach dem perfekten Feierabend. So gemütlich kann die Barbarabar sein, am frühen Abend, während der Kiez sich noch warmläuft. Dann bietet sich auch die Gelegenheit für einen feinen Kick – am nagelneuen Leonhart-Tisch.

Wer wünscht sich nicht manchmal, den Moment des Jubels festzuhalten? Den Gesichtsausdruck, wenn die Tick-Tack-Kombination im entscheidenden Moment gelingt, der Ball ins Tor knallt und man lässig den letzten Zähler auf die eigene Seite schiebt. Die Barbarabar bietet diese Gelegenheit, nur zehn Schritte vom Kickertisch entfernt steht ein Fotoautomat. Einziges Problem: Ab 22 Uhr bräuchte man schon ein Räumfahrzeug, um sich durch die Menge zu kämpfen, bevor der Glanz aus den Augen verschwunden ist.

Wer hat die ganzen Leute in mein Wohnzimmer gelassen?

Die Barbarabar ist so ein Laden, den es irgendwie schon immer gegeben hat. Ein bisschen abgegriffen, ein bisschen krude, aber mit freundlichem Impro-Flair. Seit fast einem Jahrzehnt eine Institution auf dem Hamburger Berg, Garant für gute DJs und auch für einen guten Kick. Einige Zeit lang trafen sich hier die besten Zocker Hamburgs, und auch heute trifft man an guten Abenden noch den ein oder anderen Ligaspieler.

Ab dem späteren Donnerstagabend dominiert das Partyvolk: Dann wird in der Bar getanzt und getrunken, und nur noch peripher gekickert. Wer auf dem Hamburger Berg unterwegs ist, kann trotzdem reinschauen – denn der Tisch ist wirklich erstklassig. Ein neuer leo_soccer professional, robust, standfest, immer gut geölt. Auch die Bälle sind neu und spielen sich dementsprechend sauber, die schmalen runden Gummigriffe bieten perfekten Grip.

Bleibt zu hoffen, dass der frische Kicker die harte Kneipenfeierei eine Zeitlang unbeschadet übersteht. So lange ist die Barbarabar nicht nur das wohl vollste Wohnzimmer auf dem Kiez – sondern auch ein guter Ort für einen Kick zwischendurch.

Barbarabar
Hamburger Berg 11
 
leo_soccer tournament
Kickern 50 cent
Astra 2,40
geöffnet ab 20 Uhr

Kiez-Kick ohne Kopfschmerzen

Kickern auf dem Kiez ist eine ganz eigene Disziplin: Hier trifft der Drunken Master auf den verwegenen Kneipenzocker. Hier wird gepöhlt und gequetscht, mit Bier im Tisch und tanzenden Leibern im Rücken. Aber es geht auch ganz entspannt: Zum Beispiel in der Parzelle, der hintersten Kneipe auf dem Hamburger Berg.

Manchmal ist es richtig gut, das letzte Glied in der Kette zu sein. In den Kneipen auf dem Hamburger Berg stehen sich Reeperbahn-Touristen und Studenten auf den Füßen. An den Kickern wird gekurbelt und geflucht. Im Nachtlager schwitzen zwei kräftige Jungs am Tisch und gießen ein Bier nach dem anderen in sich hinein.

So weit, so stickig. Wer auch an einem Freitagabend einen gemütlichen Kick wagen will, geht zwei Häuser weiter: Die Parzelle liegt fast am Ende des Hamburger Bergs, eine gemütliche Wohnzimmerbar mit Mustertapete, vollen Garderobenständern und Steuerrädern an den Wänden. Die Musik ist poppig tanzbar, bewegt sich aber auf ausgelatschten Pfaden: Peter Fox trifft die Beginner und Fanta 4.

Der Kicker steht im hinteren Teil der Bar, durch eine Trennwand von der Tanzfläche abgeschirmt. Der unscheinbare leo_soccer tournament-Tisch spielt sich schnell und kontrolliert. Die Stangen laufen weich, die Figuren sind leo-typisch recht schwer und ermöglichen so druckvolles Spiel. Der leo_soccer ist nicht ganz so wuchtig wie die professional-Serie, aber für ein entspanntes Spiel am Abend in jedem Fall robust genug.

Echte Stammspieler wurden in der Parzelle bislang nicht gesichtet, aber am Wochenende wird am Tisch ein ordentlicher Kick gespielt. Wer es am späteren Abend noch richtig wissen will – der geht eben zwei Häuser weiter.

Parzelle
Hamburger Berg 15
 
leo_soccer tournament
Kickern 50 cent
Astra 2,80
geöffnet Dienstag bis Sonntag
ab 20 Uhr

Kick, Kick – Miau

Die Katze im Schanzenviertel ist keine niedliche Kamin-Schnurre, eher eine biestige, dezent räudige Kratzbürste. Aber was zählt sind bekanntlich die inneren Werte: Ein nur leicht in die Jahre gekommener leo_pro professional versüßt jeden abendlichen Kick.

An der Bar, trinken sich Hamburger Partygänger für den Kiez warm, unter kugeligen Retro-Deckenlampen und vor waidmännischer Mustertapete. Von der Theke weht gelegentlich ein Fetzen Spanisch herüber, die Katze ist auch ein Treffpunkt für Erasmus-Studenten und kundige Hamburg-Besucher.

Ein Ort für weiche Samtpfoten ist die Kneipe aber nicht: In der Katze vergeht kein Wochenende ohne Glasbruch und umgekippte Aschenbecher. Der Laden ist am Freitag- und Samstagabend heillos überfüllt. Dann gibt es eigentlich nur noch einen Ort, an dem vier Menschen vernünftig stehen können: Links an der Bar vorbei, vor der Treppe zu den Toiletten scharf rechts, und da steht er, der leo_pro professional-Tisch.

Das Kicker-Hinterzimmer in der Katze ist eher ein kurzer, breiter Flur, in den sich neben dem Tisch noch ein Zigarettenautomat drängt. Der Fußboden klebt, es riecht nach Schweiß und Rauch, ständig quetschen sich Menschen am Kicker vorbei. Aber das alles wird unwichtig, wenn man einmal die anderthalb Quadratmeter vor den Griffen erobert hat.

Dann wird plötzlich alles leicht: Die Stangen gleiten, der Ball klebt am Fuß, die langen, schmalen Holzgriffe ermöglichen Kontrolle und perfekten Grip. Man merkt sofort: Das ist kein Tisch zum Rumbolzen, das ist ein Präzisionsgerät, lizensiert und ligatauglich, und wohl der beste Tisch in der Schanze. Das Modell ist nicht mehr ganz aktuell – aber wer braucht in der Kneipe schon durchsichtige Blenden über dem Torwart?

Anfänger haben es schwer, denn die Figuren reagieren auf jede Bewegung, die Tore wirken groß und auch, dass der Torwart – wie bei Turniertischen üblich – direkt vor der Grundline steht, ist gewöhnungsbedürftig. Ohne die richtige Technik wirkt das Spiel auf dem Leonhart-Flaggschiff etwas träge; die haftende Bodenbeschichtung und die weichen Bälle bremsen das Spiel etwas, ermöglichen aber exzellente Ballbeherrschung. Wer ein paar Grundlagen beherrscht, der nimmt die verrauchten Klamotten gerne in Kauf, für einen großartigen Kick in freundlicher Schanzen-Atmosphäre.

Katze
Schulterblatt 88
 
leo_pro tournament
Kickern 50 cent
Caipirinha 4,50 (bis 22 Uhr)
geöffnet tagsüber
und bis spät in die Nacht

Klasse Kick im Möglichkeitsraum

Man könnte es Labyrinth nennen, aber treffender wäre wohl der Begriff Möglichkeitsraum: Das Haus 73 ist eine Institution im Hamburger Schanzenviertel, ein multikultureller Treffpunkt mit vielen Veranstaltungen – und einem gut gepflegten Lehmacher P4P.

Zugegeben: Wer das erste Mail im “Kulturhaus III&70” (im allgemeinen Sprachgebrauch: Haus 73) einkehrt, läuft Gefahr, sich zu verlaufen. Ein Club im Anbau, ein Club im Keller, Veranstaltungsräume in den Obergeschossen, eine Dachterrasse und ein Café auf zwei Ebenen: Das Haus 73 bietet Platz für viele Menschen, viele Events und eine vielfältige Gemeinschaft von Besuchern.

Glücklicherweise ist zumindest der Weg zum Kickertisch recht einfach: Durch die Tür, Treppe hoch, vorbei am DJ-Pult, und da steht er: Ein gut gepflegter Lehmacher P4P-Tisch, Am Material gibt es nichts auszusetzen, der Tisch ist immer gut geölt, und wenn nicht gerade jemand die Ballläufe verstopft hat, funktioniert er einwandfrei.

Auch in der Woche finden sich am Abend meist Spielpartner, wer hochklassigere Gegner sucht, sollte aber eher am Wochenende vorbeischauen. Etwas ungünstig: Das eine Team hat nur die Wand im Rücken, die anderen allerdings den vollen Kneipenbetrieb. Am Wochenende kann es da etwas eng werden – und es ist schon ein wenig auffällig, dass meist die Spieler mit der Wand im Rücken länger am Tisch stehenbleiben. Wer also kommt, um lange zu bleiben, sollte versuchen, zügig die richtige Seite zu erobern.

Am Tisch stehen selten echte Kicker-Granden, aber viele ordentliche Freizeitspieler. Wenn es gut läuft, kann man so an einem Abend gegen eine Vielzahl unterschiedlicher Kontrahenten antreten – eine gute Möglichkeit, sein Spiel an einige ungewöhnliche Tricks und Taktiken anzupassen. Zu Beats direkt vom Plattenteller kann der Abend im Haus 73 definitiv lang werden.

Kulturhaus III&70
Schulterblatt 73
 
Lehmacher P4P
Kickern 50 cent
Astra 2,20
 
in der Woche ab 9 Uhr geöffnet,
am Wochenende ab 10
und immer bis spät in die Nacht

Klammer Kick im Knallhart

Ein guter Ort, ein fieser Tisch: Schwergängige Stangen, ein verquastes Spielfeld und lose Figuren dämpfen den Spielspaß im Café Knallhart. Der knarzige Turniersieger ist eher etwas für Freunde des rustikalen Kneipen-Kicks.

Aus den Boxen schallt röhriger Punkrock, die Wände sind mit Spruchbändern tapeziert und um die Füße wuselt schon mal ein Hund. Das Café Knallhart ist ein selbstverwalteter Freiraum auf dem Campus, eingerichtet in einem besetzten Hörsaal. Der Café-Betrieb und verschiedene Veranstaltungen werden von Studenten und anderen Gruppen organisiert.

Mit weichen Sesseln, heißem Kaffee und einem hellen Foyer gilt das Knallhart als Rückzugsort vom Campus-Stress – wenn nicht gerade die Hardcore-Fraktion die Musik auswählt. Gekickert wird an einem wuchtigen Original Leonhart Turniersieger etwas älteren Semesters, solide aber wenig gepflegt. Die Stangen sind schwergängig, das Spielfeld klebt an einigen Stellen. Mehrere Figuren sind gebrochen und notdürftig mit Klebeband befestigt. Es dauert einige Zeit, bis man die Macken der einzelnen Reihen kennt und dementsprechend reagieren kann.

Hinzu kommt die grundsätzlich gewöhnungsbedürftige Spielerfahrung auf einem Tisch mit Turniersieger-Figuren. Die schmalen, seitlich abgerundeten Füße erschweren Schiebetricks und fordern eine sehr präzise Handhabung. Anfänger kommen fast nur per Zufall zum Torerfolg. Der relativ schwere und harte Ball macht vor allem mäßig kontrollierte Bandenschüsse effektiv, die bei großen Toren und kleinen Figuren schwer zu verteidigen sind. Unter Umständen etwas frustrierend für Freunde gradlinigen Kickerspiels, und vielleicht einer der Gründe, warum der Tisch vergleichsweise wenig bespielt wird.

Café Knallhart
Von-Melle-Park 9
 
Original Leonhart Turniersieger
Kickern kostenlos
Kaffee 60cent
 
geöffnet tagsüber
und an Veranstaltungsabenden

Keine Ahnung, aber …

Wir haben das mal korrigiert … nicht zu danken.

Ordentlich Rumms im Boltenhagen

Das Hinterzimmer im Boltenhagen ist düster und verraucht – und es ist eine der besten Kicker-Locations, die man sich im Wohngebiet vorstellen kann. Gepolsterte Wände, eine Mini-Tribüne für Zuschauer und eine Kamera, die Spiele live überträgt – das macht das Boltenhagen zum Treffpunkt für Kicker-Fans aus Eimsbüttel.

Der kräftige Mann im Polohemd drischt den Ball mit so viel Kraft ins Tor, dass man ein wenig um die Rückwand des leo.soccer Tournament-Tisches* bangt. So trocken wie im Boltenhagen schlägt der Schuss sonst nirgendwo ein – aus gutem Grund: Die Kneipiers haben das Hinterzimmer eigens mit schalldämmenden Schaumstoffmatten gepolstert, der Nachbarn wegen. Denn das Boltenhagen liegt mitten im Eimsbüttler Wohngebiet.
Die Einrichtung ist eher gemütlich: Laminat, Oma-Sessel und gedimmte Beleuchtung. Auf der Leinwand läuft abends manchmal Fußball – und bei Kicker-Trunieren eine Live-Übertragungen vom Tisch im Hinterzimmer.
An Wochentagen geht es an der Bar eher ruhig zu, ein paar Spielpartner trifft man trotzdem meistens. Am Wochenende wird es richtig voll: Dann wartet man schon mal drei oder vier Spiele, bis man an den Tisch kommt. Wer Glück hat, ergattert einen Platz auf der zweistufigen “Tribüne” im Hinterzimmer, die zumindest eine gute Aussicht auf den Kicker bietet.
Die Damen und Herren aus Eimsbüttel spielen schnell, robust und auf hohem Niveau; das Hamburg-Liga-Team “Boltens” hat in der Kneipe seinen Stammsitz.
Der Tisch ist in bester Verfassung und immer gut geölt. Kickern ist im Boltenhagen generell kostenlos. Immer am ersten Sonntag im Monat wird um die Wette gekickt, für zwei Euro pro Team kann jeder am Turnier teilnehmen. Das Boltenhagen ist ein guter Ort für den Kick nach Feierabend – und leider nichts für die späte Nacht: In der Woche ist um 24 Uhr Schluss mit Kickern, am Wochenende um 2. Da hilft auch die beste Polsterung nichts: Irgendwann wollen die Nachbarn einfach ihre Ruhe.

Boltenhagen
Lappenbergsallee 46
 
Lehmacher Home
in der Woche von 18 Uhr – 2 Uhr (kickern bis 12 Uhr)
am Wochenende von 18 Uhr – 4 Uhr (kickern bis 2 Uhr)
Kickerturnier am ersten Sonntag im Monat
Einsatz 2 Euro, Preise für die ersten drei
 
Kickern kostenlos
Astra 2,40 Euro
 
Vorsicht: Heftige Raucherkneipe!
 
Vorher stand hier: Lehmacher Home. Danke an Thorsten für den Hinweis!